Was ist die KI-Kennzeichnungspflicht?
Der EU AI Act verpflichtet Unternehmen, Nutzer darüber zu informieren, wenn sie mit einem KI-System interagieren. Darüber hinaus müssen KI-generierte Texte, Bilder und Audioinhalte in bestimmten Kontexten klar als solche gekennzeichnet sein. Die Pflicht zielt darauf ab, Transparenz zu schaffen und Täuschung zu verhindern — nicht darum, KI-Nutzung zu erschweren.
Die Kennzeichnungspflicht ist Teil der Transparenzanforderungen für KI-Systeme mit begrenztem Risiko (Stufe 3) und ergänzt die strengeren Anforderungen für Hochrisiko-Systeme. Sie trifft Unternehmen aller Branchen, die KI in der Kommunikation mit Kunden oder der Öffentlichkeit einsetzen.
Wen betrifft die Kennzeichnungspflicht?
- Unternehmen, die Chatbots für den Kundenservice einsetzen
- Marketing-Teams, die KI-generierte Texte und Bilder veröffentlichen
- HR-Abteilungen, die KI für Screening oder automatisierte Kommunikation nutzen
- Alle, die Deep Fakes oder synthetische Medien erstellen und verbreiten
- Plattformen, die nutzergenerierte KI-Inhalte hosten und verbreiten
Was muss konkret gekennzeichnet werden?
Was ist NICHT kennzeichnungspflichtig?
Nicht jeder KI-Einsatz im Unternehmen fällt unter die Kennzeichnungspflicht. Ausgenommen sind insbesondere:
- KI als internes Produktivitätstool — z. B. E-Mail-Entwürfe, die ein Mensch prüft und freigibt, bevor sie versendet werden
- KI-Spam-Filter, die ohne direkten Nutzerkontakt im Hintergrund arbeiten
- KI-Übersetzungstools, wenn das Ergebnis von einem Menschen überarbeitet und freigegeben wird
- Interne Analyse- und Reporting-Tools ohne Außenwirkung
Die entscheidende Frage ist immer: Könnte ein Nutzer oder Außenstehender durch das KI-System getäuscht werden? Wenn ja, greift in der Regel eine Kennzeichnungspflicht.
Praxisempfehlungen
Für die konkrete Umsetzung empfehlen sich folgende Schritte:
- KI-Nutzung intern dokumentieren — ein vollständiges Inventar aller eingesetzten KI-Systeme erstellen, inkl. externer SaaS-Tools
- Kommunikationskanäle prüfen — systematisch analysieren, welche Kanäle potenziell kennzeichnungspflichtige Inhalte produzieren
- Chatbot-Texte und Onboarding-Flows anpassen — klare, nutzerfreundliche Kennzeichnung als KI integrieren
- Mitarbeiter schulen — besonders in Marketing und Kundenservice über die Pflichten informieren und Prozesse einführen
"Die Kennzeichnungspflicht ist weniger ein bürokratisches Problem als eine Chance, transparent und vertrauenswürdig zu wirken — wenn man sie richtig kommuniziert."
Wer die Kennzeichnung als Teil der eigenen Markenkommunikation versteht — und nicht als lästige Pflicht — kann damit Vertrauen aufbauen. Kunden schätzen Transparenz, besonders wenn KI in sensiblen Bereichen wie Beratung oder Gesundheit eingesetzt wird.
Den größeren Kontext liefert unser Überblick zum EU AI Act 2026 — dort finden Sie alle vier Risikostufen und die vollständigen Pflichten im Überblick.