Zum Inhalt springen
Startseite » Blog » Wer hat AI-Anxiety?

Wer hat AI-Anxiety?

Auf deutsch: wer hat Angst vor KI? Und warum diese Frage über Erfolg oder Stillstand entscheidet?

Fast 4 von 10 Beschäftigten haben Angst vor Künstlicher Intelligenz.

  • Nicht vor einem konkreten Tool.
  • Nicht vor einem bestimmten Projekt.
  • Sondern vor dem Gefühl, nicht mehr mitzukommen.

Das zeigt eine groß angelegte Studie der Universität Bremen mit über 11.000 Mitarbeitenden aus der öffentlichen Verwaltung:

  • 39 % sorgen sich, mit der KI-Entwicklung nicht Schritt halten zu können.
  • 32 % empfinden KI grundsätzlich als beängstigend.

Das ist kein Stimmungsbild für die Kaffeeküche.
Das ist ein handfestes Umsetzungsrisiko.


Angst ist kein Nebengeräusch – sie ist ein Wirkfaktor

Angst wirkt selten laut.
Sie äußert sich nicht in offenen Protesten oder klaren Ablehnungen.

Sie wirkt anders:

  • Nutzung wird vermieden.
  • Entscheidungen werden vertagt.
  • Verantwortung wird nach oben delegiert.
  • Pilotprojekte bleiben Piloten.

So entstehen die bekannten Symptome:

„Wir haben KI getestet – aber es bringt irgendwie nichts.“

„Die Tools sind da, aber sie werden kaum genutzt.“

„Die Leute sind noch nicht so weit.“

Das Problem ist dabei selten die Technologie.
Und fast nie die Leistungsfähigkeit der Modelle.

Das Problem ist AI-Anxiety – die Unsicherheit und Angst, im Umgang mit KI Fehler zu machen, Kontrolle zu verlieren oder ersetzbar zu werden.


Die wichtigste Erkenntnis der Studie:

Demografie ist egal. Kompetenz nicht.

Besonders spannend an den Ergebnissen der Bremer Studie ist, was keinen nennenswerten Einfluss hat:

  • Alter
  • Geschlecht
  • Bildungsabschluss

All das spielt für die Angst vor KI nur eine minimale Rolle.
Die verbreitete Erzählung, ältere Beschäftigte seien automatisch skeptischer oder überfordert, hält der Datenlage nicht stand. Natürlich nicht.

Stattdessen zeigt sich ein klares Bild:

KI-Kompetenz (AI Literacy) und Nutzungserfahrung senken Angst signifikant.

Oder anders gesagt:
Nicht wer jemand ist, entscheidet über Unsicherheit.
Sondern ob Menschen verstehen, was KI tut – und ob sie sie selbst ausprobieren dürfen.


Warum Kompetenz mehr wirkt als jede Change-Kommunikation

In vielen Organisationen wird KI-Einführung kommunikativ begleitet:

  • Leitbilder, Visionen, Townhalls, Präsentationen.
  • Das ist nicht falsch.
  • Aber es reicht nicht.

Denn Angst ist kein Informationsproblem.
Sie ist ein Kontrollproblem.

Drei Beobachtungen aus der Praxis bestätigen das immer wieder:

1. AI-Kompetenz senkt Angst schneller als jede Folie

Wer versteht,

  • was KI kann,
  • was sie nicht kann,
  • wo Risiken liegen
  • und wie Ergebnisse bewertet werden,

verliert das Gefühl von Kontrollverlust.
Verstehen schafft Orientierung.
Orientierung schafft Sicherheit.

2. Kleine, risikofreie Use-Cases schlagen große Programme

Menschen brauchen keine perfekten KI-Strategien.

Sie brauchen eigene Erfahrungen.
Mini-Use-Cases, klar abgegrenzt, ohne Reputationsrisiko.
Offene Sprechstunden.
Gemeinsames Ausprobieren im Team.

Ein funktionierender kleiner Anwendungsfall wirkt stärker als zehn Strategiepapiere.

3. Governance zuerst entlastet später

Unklare Regeln erzeugen Druck:

„Darf ich das?“

„Bin ich haftbar?“

„Was passiert, wenn etwas schiefgeht?“

Klare Leitplanken zu Rollen, Freigaben und erlaubter Nutzung nehmen diesen Druck – bei Mitarbeitenden und Führungskräften.

Governance ist kein Bremsklotz.
Sie ist ein Angstsenker.


KI-Transformation ist kein IT-Projekt

Die Einführung von KI scheitert selten an Modellen, Daten oder Infrastruktur.

Sie scheitert daran, dass Menschen sich alleingelassen fühlen:

  • mit ihren Fragen
  • mit ihrer Unsicherheit
  • mit der Verantwortung, „es richtig zu machen“

KI-Transformation ist deshalb keine rein technische Aufgabe.
Sie ist eine ganzheitliche Transformationsaufgabe.

Oder zugespitzt:

KI funktioniert nicht trotz der Menschen.

Sie funktioniert nur mit ihnen.


Von Unsicherheit zu Wirkung

Wenn Organisationen AI-Anxiety ernst nehmen und systematisch adressieren, passiert etwas Erstaunliches:

  • Aus Widerstand wird Beteiligung.
  • Aus Angst wird Gestaltungswille.
  • Aus KI-Spielerei wird produktive Wirkung.

Nicht über Nacht.

Aber messbar.
Der Hebel ist nicht mehr Technologie.
Der Hebel ist Befähigung.


Und jetzt?

Die entscheidende Frage lautet nicht:

„Sind unsere Leute bereit für KI?“

Sondern:

Schaffen wir einen Rahmen, in dem sie es werden können?

Wie wird bei euch mit KI-Unsicherheit umgegangen –

ignoriert, beschwichtigt oder befähigt?