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Meine Heizung & Ich – Beziehungskrise im Dauerfrost?

Es begann, wie es oft beginnt: harmlos. Nach ein paar Tagen Auszeit kehrten wir zurück – und irgendetwas stimmte nicht.

❄️ „Irgendwie ist es frisch.“
❄️ Dann: eher kalt.
❄️ Dann: eindeutig arktisch.

Die Anzeigen der Heizung blinkten beruhigend. Zahlen da, wo Zahlen sein sollten. Nur: Die Wohnung fühlte sich an wie ein Co-Working-Space in Lappland, kurz vor der Insolvenz.

Ich, Sohn eines Heizungsinstallateurs. Und wie das so ist mit vererbtem Wissen: Es vererbt sich nicht. Dafür hatte ich ChatGPT. Und los ging’s:

🔧 Fotos gemacht. Symptome beschrieben. Heizkörper oben warm, unten kalt. Entlüftet. Nichts.
Diagnose: „Vorlauftemperatur zu gering.“
Klang gut. Klang interessant. Klang nach Lösung.

Also bastelte ich mich durch das Heizungsmenü: Heizkurve hoch. Runter. Hoch. Wieder runter. Pumpe anpassen. Anzeigen fotografieren. Ventile checken. Die KI wechselte im Takt meiner Eingaben ihre Meinung: mal war’s die Pumpe, mal das Durchflussventil, dann wieder die Kurve.

Dann – Halleluja! – die Lösung: Pumpendruck erhöhen.
Und siehe da: Es wurde wärmer. Stabil mittelmäßig.

Handwerker abgesagt. Grinsen aufgesetzt. Geld gespart … dachte ich.

Am nächsten Morgen: Frost 2.0.
Die Anzeige: Außentemperatur 12 °C.
Realität: –5 °C.

Und ich? In Jogginghose, bewaffnet mit einer Gänsehaut, die nicht lügt. Fehlte der KI eine Webcam? Nein – es fehlte: der richtige Kontext. Ich hatte die Außentemperatur nicht genannt – und die KI? Hatte brav das interpretiert, was ich ihr gegeben hatte.

„Shit in – Shit out“

Es war nicht die KI, die falsch lag. Es war mein Prompt.
Unklar. Lückenhaft. Realitätsfern.

Wie ein Pilger, der den Jakobsweg ohne Socken startet, weil ihm niemand gesagt hat, dass Blasen aufkommen. (Wer meinen Blog kennt, weiß: die kommen. Immer.)

Ich fragte die KI: „Kann man den Außentemperaturfühler deaktivieren?“
Antwort: „Nein.“

Später stellte sich heraus: Doch. Der Trick? Nennt sich „Dauerhaft Winter“.
Aber dafür muss man wissen, dass „Winter“ nicht nur Wetter ist, sondern auch ein Software-Modus.

Also kam der Handwerker. Und ja – der Fühler war kaputt. Altersbedingt. Kein Drama. Nur teuer. Aber er brachte mir eine wertvolle Erkenntnis:


Was das mit KI und Leadership zu tun hat?

  • KI liefert Antworten. Aber keine Verantwortung.
  • Fehlende Parameter führen zu falschen, aber plausiblen Ergebnissen.
  • Semantische Nuancen („Winter“ ≠ „Sensor aus“) entscheiden über Sinn oder Unsinn.

Die eigentliche Schwachstelle war nicht die KI.
Es war mein Denken.


Und genau das ist der Leadership-Moment im KI-Zeitalter:

  • Wer stellt die richtigen Fragen?
  • Wer kennt die Systemgrenzen?
  • Wer erkennt, dass eine plausible Antwort keine richtige Lösung ist?

Denn die Wahrheit ist:

🧠 Künstliche Intelligenz ist wie ein Pilger mit perfektem Schuhwerk – aber ohne Karte.

Wenn du ihm sagst, wo’s langgeht, geht er. Ohne zu fragen, ob da ein Abgrund ist.


Fazit:

Ich hätte fast 250 € gespart. Fast.

Was ich gelernt habe:
– KI bleibt ein mächtiges Werkzeug.
– Aber ohne Kontext, Klarheit und Verantwortung wird aus Hilfe schnell Irrsinn.

💡 Gute Prompts sind wie gute Wanderschuhe: Sie bringen dich weiter – aber laufen musst du selbst.

Und wenn du das nächste Mal denkst:
„Die KI macht das schon“,
frag dich: Hast du ihr auch das Richtige gesagt?